Innovative Parkhaus Sanierung

Am Beispiel des Parkhauses Karstadt in Bielefeld

Das Parkhaus „Karstadt“ in Bielefeld zählt zu den größten Parkhäusern der Stadt. Es wurde 1965 in Stahlbetonbauweise erbaut und besitzt neun Split-Level Parkebenen. Die Bruttogesamtfläche beträgt in etwa 19.000 m².

Das Parkhaus wurde 2009 von Q-Park übernommen. Damals wurde der Standard des Q-Park Hausstils im Parkobjekt umgesetzt. Jedoch war Jahre später eine Großsanierung der Gebäudesubstanz unumgänglich. Die Löcher im Stahlbeton Boden rissen auf und korrodierte Bewehrung kam an vielen Bauteilen ans Tageslicht. Als das Parkhaus 1965 erbaut wurde, war es nicht üblich die Bauteile so zu schützen, wie es heute gängig ist. Das Parkhaus wurde auf dem Rohbeton befahren. Tausalze der Autos konnten ungehindert in die Bausubstanz eindringen und die innenliegende Bewehrung angreifen. Eine nicht intakte Bewehrung gefährdet die Standsicherheit des Bauwerks.

Das Real Estate Team von Q-Park hat die bekannten Probleme erkannt und gemeinsam mit einem Fachplaner ein Sanierungskonzept entworfen.

Die Sanierung war eine große Herausforderung, da das Parkhaus rund um die Uhr geöffnet hatte und eine hohe Frequenz aufwies. Deshalb musste der Stellplatzverlust durch die Sanierung so gering wie möglich gehalten werden. Eine komplette Sperrung für die Sanierung wäre für den Parkraumbetreiber und Bauherrn Q-Park nicht in Frage gekommen. Daher musste auch die Sanierungsart an die Anforderungen angepasst werden.

Im Zuge der Sanierung sollte einerseits die statische Tragfähigkeit sichergestellt, andererseits das Gebäude mit einem kathodischen Korrosionsschutzsystem geschützt werden, um in Zukunft einen solchen Sanierungsumfang nicht wiederholen zu müssen. Dazu wurde ein von der Koch GmbH entwickelter KKS-Carbonbeton verwendet, der die Kombination beider Ansprüche verbindet. Somit kann in Zukunft verhindert werden, dass die schädlichen Tausalze, welche durch die Autos in das Gebäude eingetragen werden, in die Bausubstanz eindringen und die tragende Bewehrung auflösen.

Über das gesamte Bauwerk waren Risse und Abplatzungen vorhanden, wodurch bereits eine kritische Menge an Tausalze (Chloride) in das Bauwerk eindringen konnten. Teilweise war die Korrosion bereits so weit vorangeschritten, dass Teilbereiche völlig aufgelöst waren.

Innovatives Instandsetzungskonzept

Bei einer klassischen Instandsetzung wird mittels Höchstdruckwasserstrahlen (HDW) der geschädigte Beton entfernt, die Bewehrung ergänzt und neuer Beton gegossen. Eine dadurch notwendige Abstützungsmaßnahme über alle Ebene kam für Q-Park nicht in Frage. Dies hätte zur Folge, dass das Parkhaus vollständig über mehrere Monate geschlossen werden müsste.

Somit hat man sich für eine Kombination verschiedener Systeme des Bewehrungsersatzes mit einem kathodischen Korrosionsschutz (KKS) entschieden. Es wurden zur statischen Wiederherstellung Baustahl, Glasfaserverbundbewehrung und Carbongelege verwendet. Letzteres wurde gleichzeitig auch als Anode für den kathodischen Korrosionsschutz eingesetzt. Zusätzlich kamen auch Titanbandanoden zur Anwendung. Der Vorteil des KKS-Carbonbetons liegt darin, dass die bereits entstandenen Querschnittsverluste der Bewehrung kompensiert, dass Bauwerk ausgesteift wird und gleichzeitig die Bestandsbewehrung vor Chloridangriff (Tausalze) geschützt wird.

Dafür wurde der vorhandene Gussasphalt inkl. Bodenbeschichtung auf der gesamten Fläche entfernt und ein geeignetes Carbongelege ausgewählt. Das verwendete Carbon ist unter anderem korrosions- und oxidationsbeständig. Durch seine geringere notwendige Betondeckungen gegenüber Bewehrungsstahl waren zusätzliche Materialeinsparungen möglich.

Das Bauwerk wurde zusätzlich mittels einer starren Beschichtung (OS 8) langfristig abgedichtet und vor Verschleiß geschützt. Die engen Stellplätze wurden vergrößert, sodass man die Mindestbreite von 2,30 m erfüllen konnte. An Stellen, an denen es durch Stützen nicht möglich war das Maß von 2,30m einzuhalten, wurden anstatt zwei Stellplätze ein XXL Stellplatz geschaffen. Somit haben wir auch den Parkkomfort verbessert und bieten nun auch für SUVs ausreichende Stellplatzgrößen an. Die gesamten Stellplatz Anordnungen bzw. die Grundrisse mit Verkehrsführungen wurden durch unsere internen Fachleute nach heutigen Standards neu entworfen und umgesetzt. Schließlich konnte das klassische Q-Park Konzept in Form der Beschichtung mit den einheitlichen, so genannten Parkteppichen als auch der Anstrich mit Q-Parks Farbkonzept eingebracht werden.

Abschließend wurde eine energiesparende LED Beleuchtung mit Lichtsteuerung sowohl in den Parkebenen als auch in den Treppenhäusern angebracht.

Ablaufplanung

Aufgrund der Tatsache, dass die Sperrzeiten und Sperrflächen besonders gering gehalten werden mussten, wurde eine Aufteilung der Bauabschnitte in 12 Teilabschnitte gewählt. Hierbei war zu beachten, dass von oben nach unten gearbeitet wurde. Zur Umsetzung dieser Bauablaufplanung war eine aufwendige Verkehrsregelung mit Ampeln – teilweise über drei Ebenen – und im Ein- und Ausfahrtsbereich mit Sicherheitspersonal erforderlich.

Um die Kundeneinschränkung so gering wie möglich zu halten, wurden kleine Bauabschnitte gewählt. Daher hielt die Instandsetzung von September 2017 bis Juni 2020 an.

Das gesamte Sanierungskonzept konnte mit großem Erfolg umgesetzt werden. Die Baustelle wuchs mit ihren Aufgaben und Herausforderungen. Eine saubere Umsetzung dessen konnte mit der äußerst guten Zusammenarbeit mit den Baubeteiligten Koch GmbH, Massenberg GmbH aus Essen, Instakorr GmbH, Sika Deutschland GmbH und dem Fachplaner Plan2 Hallmann + Partner – beratende Ingenieure IKBauNW – umgesetzt werden.

Sie möchten mehr über unsere innovative Parkhaus Sanierung erfahren? Oder Sie haben ein Parkobjekt, bei dem Sie unsere Unterstützung benötigen? Dann sprechen Sie uns gerne an oder hinterlassen Sie einen Kommentar.

Christian Schütte
Christian Schütte, Dipl. Bauingenieur ist seit 2019 der Head Of Technical Real Estate Manager bei Q-Park Operations Germany GmbH & Co. KG. Er ist der Experte im Bereich der Bauplanung, Sanierung von Parkobjekten und technischem Support.

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